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Von Alexandria bis Nairobi: OTH-Regensburg-Team erforscht Afrikas Energiewende vor Ort

Wie sieht die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft in Afrika aus – und welchen Beitrag können Wissenschaft, Industrie und internationale Zusammenarbeit dazu leisten? Diesen Fragen gingen Anton Achhammer, Julius Uhl, Leon Schumm und Marco Schamel von der OTH Regensburg nach. Sie reisten dafür mehrere Wochen nach Ägypten und Kenia, um vor Ort zu forschen, Netzwerke zu knüpfen und innovative Energieprojekte kennenzulernen.

FENES, H2Global meets Africa

Wie sieht die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft in Afrika aus – und welchen Beitrag können Wissenschaft, Industrie und internationale Zusammenarbeit dazu leisten? Diesen Fragen gingen Anton Achhammer, Julius Uhl, Leon Schumm und Marco Schamel von der OTH Regensburg nach. Sie reisten dafür mehrere Wochen nach Ägypten und Kenia, um vor Ort zu forschen, Netzwerke zu knüpfen und innovative Energieprojekte kennenzulernen.

Im Mittelpunkt der Reisen standen die Themen Ausbau erneuerbarer Energien, grüner Wasserstoff sowie Open-Source Modelle für die Energieplanung. Dabei ging es nicht nur um Theorie: Zahlreiche Exkursionen führten sie direkt zu den Orten, an denen Afrikas Energiewende bereits sichtbar ist.

Ägypten: Austausch zu Großprojekten, Meerwasserentsalzung und Konferenzbesuch

Ein zentrales Erlebnis während des Aufenthalts in Ägypten waren die Gespräche mit Scatec, Orascom Construction und Fertiglobe, die an einem der derzeit international meistbeachteten Projekte für grünen Ammoniak beteiligt sind. Ergänzt wurde dieser Austausch durch einen Besuch der Al ‑Galala Meerwasserentsalzungsanlage, einer der größten Anlagen ihrer Art in der Region. Hier wird täglich Trinkwasser aus Meerwasser gewonnen – ein entscheidender Faktor für Industrie, Landwirtschaft und Bevölkerung in einer der trockensten Regionen der Welt. Auch die Industriezone Ain Sokhna, ein wachsender Knotenpunkt für Energie- und Wasserstoffprojekte, stand auf dem Programm.

Mit Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Ägypten sowie der Egyptian Electricity Holding Company (EEHC) wurde diskutiert, wie offene Daten und Modellierungswerkzeuge dabei helfen können, nationale Wasserstoffstrategien zu entwickeln und nachhaltige Energiesysteme zu planen.

Parallel dazu gestalteten Anton Achhammer und Marco Schamel PyPSA Workshops (Python for Power System Analysis) an der American University in Cairo, der Mansoura University und der Arab Academy for Science, Technology & Maritime Transport in Alexandria. Dabei vermittelten Sie Grundlagen zu PyPSA-Earth, einem offen zugänglichen globalen Modellierungstool für Energiesysteme, mitentwickelt an der OTH Regensburg.

Ein weiteres Highlight stellte die IEEE Power Africa Conference dar, wo wertvolle Diskussionen mit Forschenden des ganzen afrikanischen Kontinents geführt werden konnten und zwei Publikationen der OTH Regensburg vorgestellt wurden. Auch ein Symposium der Egyptian Engineers Society in Kairo war ein bedeutender Bestandteil der Reise.

Im Rahmen einer gemeinsam mit dem World Energy Council organisierten Veranstaltung gaben Schamel und Achhammer Einblicke in das Projekt H2Global meets Africa, in offene Energiemodelle und den Potenzialen von grünem Wasserstoff in Nordafrika. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten sie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Industrie über Chancen, Herausforderungen und konkrete nächste Schritte für grünen Wasserstoff in Ägypten.

„Der direkte Austausch mit Studierenden und Forschenden hat gezeigt, wie groß das Interesse an offenen Modellierungsansätzen und internationaler Zusammenarbeit ist. Gerade in Ländern mit stark wachsendem Energiebedarf können transparente Modelle einen enormen Mehrwert bieten“, betont Achhammer.

Kenia: Geothermie, Direct Air Capture und grüne Düngemittel

In Kenia verlagerte sich der Fokus noch stärker auf die praktische Umsetzung der Energiewende. An der Kenyatta University, der Strathmore University und der Technical University of Kenya fanden Gespräche zu Wasserstoffforschung, Bildung und Energiesystemmodellierung statt. Zudem tauschte sich das Team mit der Geothermal Association of Kenya (GAK), der Gesellschaft für interkulturelle Zusammenarbeit (GIZ), dem Green Hydrogen Secretariat des Ministry of Energy und der Green Hydrogen Association of Kenya (GHAK) aus.

Besonders eindrucksvoll waren die Besuche bei Kenias innovativen Anlagen: Bei Octavia Carbon erhielten die OTH Vertreter Einblicke in eine der wenigen weltweiten Anlagen zu Direct Air Capture (DAC). Dort wird CO₂ direkt aus der Umgebungsluft gefiltert und dauerhaft gespeichert – ein vielversprechender Ansatz im Kampf gegen den Klimawandel.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der grünen Düngemittelproduktion bei TalusOne. Das Unternehmen nutzt erneuerbare Energie, um nachhaltige Düngemittel herzustellen. Auf angrenzenden Versuchsfeldern konnten die Besucherinnen und Besucher sehen, wie diese mithilfe von Fertigation – also der Kombination von Bewässerung und Düngung – direkt in landwirtschaftlichen Tests erprobt werden.

Marco Schamel, der im Zuge der Reise selbst eine wissenschaftliche Fallstudie zur grünen Düngemittelproduktion veröffentlichte, zeigte sich begeistert: „Es ist faszinierend zu sehen, wie Konzepte aus unseren Modellen hier in der Praxis getestet und umgesetzt werden.“

Ein unvergesslicher Höhepunkt der Reise war eine Fahrradsafari durch den Hell’s Gate National Park von Geothermiekraftwerk zu Geothermiekraftwerk – vorbei an Giraffen und Zebras – bis zum berühmten Geothermal Spa. Dabei konnten die Teilnehmenden im Kraftwerk Olkaria IV eine der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen Kenias aus nächster Nähe erleben. Die gewaltigen Dampffontänen und Turbinen machten eindrucksvoll sichtbar, welches Potenzial in der Nutzung der Erdwärme steckt. „In Kenia spürt man eine echte Aufbruchsstimmung. Viele junge Menschen wollen aktiv an einer nachhaltigen Zukunft mitarbeiten. Dieser Spirit ist extrem motivierend“, sagt Leon Schumm.

Außerdem ergänzten zahlreiche Gespräche mit weiteren Unternehmen das Programm. Neben den Besichtigungen vor Ort standen auch informelle Austausche mit lokalen Start-ups und Projektentwicklern wie CapsHydrogen, Serima Wind und Mwahera eFuels auf der Agenda, die an Lösungen rund um grüne Düngemittel, E‑Fuels und erneuerbarem Energieprojekten arbeiten. Auch gesellschaftliche Initiativen standen auf dem Programm: Besuche beim World Resources Institute sowie bei der Liberating Education Organization im Stadtteil Dandora zeigten, wie Bildung, Klimaschutz und soziale Entwicklung zusammenspielen können.

Ein besonderes Highlight war zudem der PyPSA Workshop für Women in Green Hydrogen in Nairobi. Dabei vermittelten Achhammer, Schumm und Schamel Grundlagen der Energiesystemmodellierung und diskutierten mit Teilnehmerinnen aus ganz Kenia über technische Herausforderungen und Chancen der Energiewende. Der Workshop bot nicht nur fachlichen Input, sondern auch Raum für Vernetzung. „Diese Reise hat mir erneut gezeigt, wie eng Klimaschutz, soziale Entwicklung und Bildung miteinander verknüpft sind. Die Menschen und Projekte vor Ort sind unglaublich inspirierend“, ergänzt Achhammer.

Impulse für die Zukunft an der OTH Regensburg

Die zahlreichen Eindrücke, neu geknüpften Kontakte und gesammelten Daten sollen nun in die Forschung an der OTH Regensburg einfließen. Geplant sind unter anderem neue Forschungskooperationen. Der mehrwöchige Aufenthalt in Ägypten und Kenia machte deutlich: Die Energiewende ist längst ein globales Gemeinschaftsprojekt – und die OTH Regensburg möchte es aktiv mitgestalten.

Teilnahme an der Power Africa Conference, Foto: OTH Regensburg
Besuch beim State Department for Energy, Foto: OTH Regensburg
Besichtigung der Betriebsstätten von TalusOne, Foto: OTH Regensburg
PyPSA Workshop für Women in Green Hydrogen in Nairobi, Foto: OTH Regensburg